Eine Website übersetzen klingt nach einer überschaubaren Aufgabe: Texte exportieren, übersetzen lassen, wieder einspielen. Wer so vorgeht, hat danach zwar eine fremdsprachige Seite, wird im Zielmarkt aber oft nicht gefunden. Denn Suchende in Frankreich oder Italien verwenden andere Begriffe, als eine wörtliche Übersetzung vermuten lässt, und Google braucht klare technische Signale, um die richtige Sprachversion auszuspielen. Dieser Beitrag zeigt, welche Wege es gibt, eine Webseite zu übersetzen, was dabei verloren gehen kann und wie Sie Ihre Seite so mehrsprachig aufbauen, dass sie im Ausland sichtbar wird.
In diesem Artikel
Eine Übersetzung überträgt Bedeutung von einer Sprache in eine andere. Suchmaschinenoptimierung verlangt mehr: Sie muss die Begriffe treffen, die Menschen im Zielland tatsächlich in die Suche eingeben. Diese Begriffe sind häufig nicht die wörtliche Entsprechung des deutschen Ausdrucks.
Ein Beispiel aus dem Deutschen: Gesucht wird nach „Website übersetzen“ und fast genauso oft nach „Webseite übersetzen“. Zwei Schreibweisen für denselben Bedarf, beide mit relevanter Nachfrage. Solche Varianten gibt es in jeder Sprache, und ein Übersetzer ohne Suchdaten kann nicht wissen, welche davon im Zielmarkt verwendet wird.
Dazu kommen technische Elemente, die in keiner Textdatei stehen: URLs, Title-Tags, Meta Descriptions, Alt-Texte, strukturierte Daten und die Verknüpfung der Sprachversionen über hreflang. Werden sie vergessen, existiert die übersetzte Seite zwar, aber Google ordnet sie falsch zu oder zeigt weiterhin die deutsche Version an.
Grundsätzlich stehen drei Ansätze zur Wahl, die sich auch kombinieren lassen:
Welcher Weg passt, hängt davon ab, welche Rolle die Website im Zielmarkt spielen soll. Eine Seite, die Bestandskunden lediglich Informationen in ihrer Sprache bietet, hat andere Anforderungen als eine Seite, die über Google neue Kunden gewinnen soll. Für Produktseiten, Leistungsseiten und Ratgeber, die Anfragen bringen sollen, lohnt sich der gründlichere Weg.
Maschinelle Übersetzungen sind in den letzten Jahren deutlich besser geworden. DeepL liefert für viele Sprachpaare flüssige Texte, die auf den ersten Blick kaum von menschlichen Übersetzungen zu unterscheiden sind. Für interne Dokumente, Support-Inhalte oder einen ersten Entwurf ist das ein großer Gewinn.
Für Seiten, die im Ausland ranken und verkaufen sollen, hat die automatische Übersetzung Grenzen:
Google bewertet Inhalte nach ihrem Nutzen, nicht nach der Art ihrer Erstellung. Massenhaft automatisch erzeugte Seiten ohne Prüfung können aber als minderwertig eingestuft werden. Maschinelle Übersetzung ist daher ein guter Ausgangspunkt, ersetzt aber keine Prüfung durch Muttersprachler.
Wer seine Website übersetzen lassen will, denkt meist zuerst an ein Übersetzungsbüro. Fachübersetzer liefern sprachlich korrekte Texte, kennen die Terminologie ihrer Branche und arbeiten oft mit Translation-Memory-Systemen, die einheitliche Begriffe über alle Seiten sicherstellen. Für Verträge, Datenblätter, Bedienungsanleitungen und Rechtstexte ist das der richtige Weg.
Bei Webseiten stößt das klassische Vorgehen dennoch an Grenzen. Übersetzungsbüros übersetzen, was sie erhalten, in der Regel eine Datei mit Fließtext. Ob ein Begriff im Zielland gesucht wird, ob der Title-Tag die passende Länge hat oder ob die URL noch deutsch ist, gehört normalerweise nicht zum Auftrag. Das Ergebnis ist ein guter Text, der in der Suche trotzdem unsichtbar bleiben kann.
Fragen Sie deshalb vorab, ob Keyword-Recherche, Metadaten und URLs Teil der Leistung sind oder ob Sie diese Punkte selbst abdecken müssen.
Eine SEO-Übersetzung verbindet Übersetzung, Lokalisierung und Suchmaschinenoptimierung in einem Arbeitsgang. Der Ablauf unterscheidet sich vom klassischen Übersetzungsauftrag:
Der Mehraufwand liegt vor allem in der Recherche und in der Abstimmung. Dafür entsteht eine Seite, die im Zielland nicht nur verstanden, sondern auch gefunden wird. Wie wir dabei vorgehen, beschreiben wir auf der Seite zur SEO-Übersetzung.
Wird eine Website ohne SEO-Blick übersetzt, gehen typischerweise diese Dinge verloren:
Hinzu kommt ein häufiger Konfigurationsfehler: Die neue Sprachversion wird versehentlich auf noindex gesetzt oder per Canonical auf die deutsche Seite verwiesen. Google lässt sie dann vollständig aus dem Index.
Die Keyword-Recherche ist der wichtigste Schritt, der beim reinen Übersetzen fehlt. Sie beantwortet je Markt drei Fragen: Welche Begriffe werden gesucht? Wie hoch ist die Nachfrage? Welche Seiten ranken dort heute?
Dabei zeigen sich oft Unterschiede, die ein Übersetzer nicht vorhersehen kann:
Für den Einstieg reichen der Google Keyword Planner mit Ländereinstellung und ein Blick in die Suchergebnisse des Ziellandes. Die Ergebnisse gehören in ein Glossar, das Übersetzer und Redaktion verbindlich nutzen.
Metadaten entscheiden mit darüber, ob Ihre Seite in den Suchergebnissen angeklickt wird. Sie verdienen deshalb dieselbe Sorgfalt wie der Fließtext.
Wenn Sie bestehende URLs nachträglich übersetzen, brauchen die alten Adressen eine 301-Weiterleitung auf die neuen, damit vorhandene Links und Rankings erhalten bleiben.
Bevor die erste Übersetzung online geht, muss feststehen, wo sie liegt. Drei Varianten sind üblich: eigene Länderdomains (beispiel.fr), Subdomains (fr.beispiel.com) oder Unterverzeichnisse (beispiel.com/fr/). Alle drei funktionieren, wenn die Signale sauber gesetzt sind.
Unterverzeichnisse sind für viele Unternehmen der einfachste Weg, eine mehrsprachige Website zu erstellen, weil die Autorität der bestehenden Domain allen Sprachversionen zugutekommt. Länderdomains passen eher zu Unternehmen mit Niederlassungen und Teams im Zielland. Welche Struktur zu Ihrer Organisation passt, vergleichen wir ausführlich im Beitrag ccTLD, Subdomain oder Unterverzeichnis.
Vermeiden Sie in jedem Fall Lösungen, bei denen die Sprache nur über einen URL-Parameter (etwa lang=fr) oder über ein Cookie gewechselt wird. Google erfasst dann oft nur eine Version, die übrigen Sprachen bleiben unsichtbar. Auch eine automatische Weiterleitung nach Browsersprache oder IP-Adresse ist riskant, weil der Googlebot überwiegend von Adressen in den USA aus crawlt und so womöglich nicht alle Versionen erreicht.
Wer WordPress mehrsprachig betreiben will, landet meist bei einem von drei verbreiteten Werkzeugen. Sie verfolgen unterschiedliche Ansätze:
Für SEO ist entscheidend, dass das gewählte Werkzeug eigene, indexierbare URLs je Sprache erzeugt, Metadaten übersetzbar macht und hreflang korrekt ausgibt. Das leisten alle drei, sofern sie richtig konfiguriert sind. Prüfen Sie nach der Einrichtung trotzdem den Quelltext einiger Seiten. Ebenso wichtig ist die Frage, wer die Übersetzungen pflegt, wenn sich die deutsche Seite ändert.
hreflang ist ein Attribut, mit dem Sie Google mitteilen, welche Sprach- oder Länderversion einer Seite für welche Nutzer gedacht ist. Ohne hreflang kann es passieren, dass französische Nutzer die deutsche Seite sehen oder dass Google zwei gleichsprachige Versionen für Deutschland und Österreich als Duplikate behandelt.
Ein vereinfachtes Beispiel für eine Seite in drei Sprachen:
<link rel="alternate" hreflang="de" href="https://www.beispiel.com/de/pumpen/" />
<link rel="alternate" hreflang="fr" href="https://www.beispiel.com/fr/pompes/" />
<link rel="alternate" hreflang="it" href="https://www.beispiel.com/it/pompe/" />
<link rel="alternate" hreflang="x-default" href="https://www.beispiel.com/de/pumpen/" />Wichtig: Jede Version muss auf alle anderen verweisen und auf sich selbst. Fehlt die Rückverbindung, ignoriert Google die Angabe. Typische Fehler und ihre Lösung beschreiben wir im Beitrag zu hreflang.
Unabhängig davon, ob die erste Fassung von einer Maschine, einem Übersetzungsbüro oder einem SEO-Texter stammt: Vor der Veröffentlichung sollte ein Muttersprachler mit Fachkenntnis den Text lesen. Er prüft, ob der Text natürlich klingt, ob Fachbegriffe stimmen und ob Beispiele, Maßeinheiten und Formate zum Markt passen.
Bewährt haben sich einige einfache Werkzeuge:
Gerade der letzte Punkt wird oft unterschätzt. Websites ändern sich laufend, und eine Sprachversion, die ein Jahr lang nicht aktualisiert wurde, wirkt schnell veraltet. Auch KI-Assistenten greifen auf Ihre Inhalte zurück. Widersprechen sich die Angaben zwischen den Sprachen, entsteht dort ein unklares Bild Ihres Unternehmens.
Was es kostet, eine Website übersetzen zu lassen, lässt sich ohne Blick auf das Projekt nicht seriös beziffern. Den Aufwand bestimmen vor allem diese Faktoren:
Sinnvoll ist oft ein gestuftes Vorgehen: Die Seiten mit dem größten Geschäftspotenzial, etwa Startseite, Hauptprodukte und Kontaktseite, werden zuerst vollständig als SEO-Übersetzung umgesetzt. Weniger wichtige Inhalte folgen später oder bleiben zunächst in der Ausgangssprache.
Eine Website zu übersetzen ist schnell erledigt. Eine Website so zu übersetzen, dass sie im Ausland gefunden wird, verlangt Recherche, saubere Technik und eine Prüfung durch Menschen, die den Markt kennen. Maschinelle Übersetzung und Übersetzungsbüro haben ihren Platz, decken die SEO-Seite aber meist nicht ab.
Wenn Sie mehrere Märkte erschließen wollen, lohnt es sich, Übersetzung und Suchmaschinenoptimierung von Anfang an gemeinsam zu planen. Mintense arbeitet in 16 Sprachen, mit eigenen muttersprachlichen Teams in Italien und Frankreich. Mehr zu unserem Vorgehen finden Sie auf den Seiten zur SEO-Übersetzung und zum internationalen SEO.
Die deutsche Seite verliert durch eine zusätzliche Sprachversion keine Rankings. Ob die übersetzte Version im Zielland gefunden wird, hängt aber von mehr ab als von der Übersetzungsqualität. DeepL liefert gute Rohtexte, recherchiert jedoch keine Suchbegriffe und passt keine Metadaten an. Nutzen Sie die maschinelle Übersetzung als Entwurf, lassen Sie den Text von einem Muttersprachler prüfen und richten Sie Title, Description, URLs und Überschriften an den Begriffen aus, die im Zielmarkt gesucht werden.
Eine Übersetzung überträgt einen Text sinngemäß in eine andere Sprache. Die Lokalisierung passt ihn zusätzlich an den Zielmarkt an: Maßeinheiten, Datumsformate, Währung, Anrede, Beispiele, Rechtstexte und Ansprechpartner. Für SEO kommt ein weiterer Schritt hinzu, die Ausrichtung auf die Suchbegriffe des Landes. Eine Seite kann sprachlich einwandfrei übersetzt sein und trotzdem fremd wirken, wenn Preise in Euro für Schweizer Kunden stehen oder eine deutsche Telefonnummer der einzige Kontakt ist.
In den meisten Fällen ja. Eine URL in der Zielsprache ist für Nutzer verständlicher und zeigt Google zusätzlich, worum es auf der Seite geht. Verwenden Sie einfache Wörter ohne Sonderzeichen und Akzente, damit die Adressen in allen Systemen sauber funktionieren. Übersetzen Sie URLs am besten gleich beim Anlegen der Sprachversion. Ändern Sie bestehende Adressen nachträglich, brauchen die alten URLs eine 301-Weiterleitung, und hreflang sowie interne Links müssen angepasst werden.
Das hängt von Ihrer Website und Ihrem Team ab. WPML bietet viele Einstellungen und wird oft bei umfangreichen Websites und Shops eingesetzt. Polylang ist schlanker und in der Grundversion kostenlos. Weglot arbeitet als Cloud-Dienst im Abo, ist schnell eingerichtet und speichert die Übersetzungen beim Anbieter. Für SEO zählt bei allen drei dasselbe: eigene indexierbare URLs je Sprache, übersetzbare Metadaten und ein korrekt ausgegebenes hreflang. Prüfen Sie diese Punkte nach der Einrichtung im Quelltext.
Bei sauberer Umsetzung nicht. Probleme entstehen nur durch Fehler in der Konfiguration, etwa wenn die Sprachversionen keine eigenen URLs haben, wenn eine automatische Weiterleitung nach Browsersprache Google den Zugang zu Versionen versperrt oder wenn gleichsprachige Seiten für Deutschland, Österreich und die Schweiz ohne hreflang nebeneinanderstehen. Mit klarer Struktur, korrektem hreflang und eindeutigen Canonicals bleiben die Rankings der deutschen Seite unberührt, und die neuen Versionen bauen eigene Sichtbarkeit auf.
Ja, gerade dann. Bei Unterverzeichnissen auf einer gemeinsamen Domain fehlt das Ländersignal der Domainendung. hreflang zeigt Google, welche Version für welche Sprache oder welches Land gedacht ist, und verbindet die Gegenstücke miteinander. Jede Seite muss dabei auf alle Sprachversionen und auf sich selbst verweisen. Ergänzen Sie einen x-default-Eintrag für Nutzer, deren Sprache Sie nicht abdecken. Die meisten Mehrsprachigkeits-Plugins erzeugen hreflang automatisch, die Ausgabe sollten Sie aber kontrollieren.